Hundetraining

Welpenerziehung nach Plan: von der 8. Woche bis zum 6. Monat

Von Redaktion petschool.ai · · 6 Min. Lesezeit

Labrador-Welpe sitzt auf Fliesen und blickt aufmerksam nach oben

Das Wichtigste in Kürze

  • Von der 8. bis zur 12. Woche zählen Stubenreinheit, Ruhe, Sozialisierung und die Reaktion auf den Namen mehr als formale Signale.
  • Übungseinheiten dauern bei jungen Welpen ein bis drei Minuten und werden mehrmals täglich wiederholt.
  • Sitz, Platz, Rückruf und Leinenführigkeit beginnen zu Hause ohne Ablenkung und wandern erst danach nach draußen.
  • Zwischen dem 4. und 6. Monat sorgen Zahnwechsel und beginnende Pubertät oft für Rückschritte, die normal und vorübergehend sind.
  • Alle Altersangaben sind Spannen; wer später beginnt, steigt einfach bei der ersten Stufe ein.

Ein sinnvoller Plan für die Welpenerziehung richtet sich nach der Entwicklung des Hundes und nicht nach einer Liste von Kommandos. Von der 8. bis zur 12. Woche stehen Stubenreinheit, Ruhe, Sozialisierung und die Reaktion auf den Namen im Vordergrund, mit drei bis vier Monaten kommen Grundsignale und erste Leinenführigkeit hinzu, vom 4. bis zum 6. Monat werden dieselben Übungen länger, auf größere Distanz und unter mehr Ablenkung gefestigt. Alle Altersangaben sind Spannen, keine Fristen.

So nutzen Sie den Plan

Der Plan ist nach Alter gegliedert, weil manche Dinge zeitkritisch sind. Die sensible Phase der Sozialisierung endet mit etwa 12 bis 14 Wochen, während ein sauberes Fußgehen in jedem Lebensalter gelernt werden kann. Deshalb gehören die ersten Wochen vor allem neuen Eindrücken und festen Abläufen, und formale Übungen nehmen nur wenige Minuten am Tag ein.

Drei Grundsätze gelten in jeder Stufe:

  • Kurze Einheiten. Ein bis drei Minuten bei jungen Welpen, ab etwa vier Monaten bis zu fünf Minuten. Mehrere Einheiten über den Tag verteilt sind wirksamer als eine lange.
  • Belohnen, was Sie sehen möchten. Markieren Sie das richtige Verhalten mit einem Markersignal wie „Yes“ oder einem Klick und lassen Sie Futter, Spiel oder Lob folgen. Unerwünschtes Verhalten wird durch Management verhindert (Kindergitter, Leine, Laufgitter) und nicht bestraft.
  • Immer nur eine Schwierigkeit erhöhen. Entweder Dauer oder Distanz oder Ablenkung – nie alle drei zugleich.

Der Welpenplan im Überblick

AlterSchwerpunktNeue ÜbungenDauer je Einheit
8–10 WochenAnkommen, Stubenreinheit, BindungName, Box oder Laufgitter, Anfassen lassen1–2 Min., 5-mal täglich oder öfter
10–12 WochenSozialisierung, BeißhemmungSitz, Platz, Handtouch, Rückrufspiele im Haus2–3 Min.
12–16 WochenGrundsignale, LeinenführigkeitLockere Leine zu Hause und an ruhigen Orten, „Aus“/Tauschen, kurzes Bleib3 Min.
4–5 MonateGeneralisierenBekannte Signale an neuen Orten, Rückruf an der Schleppleine, ruhiges Begrüßen3–5 Min.
5–6 MonateZuverlässigkeit unter AblenkungLängeres Bleib, Passieren von Hunden und Menschen, Ruhe unterwegs5 Min.

8 bis 10 Wochen: Ankommen und Abläufe lernen

In den ersten beiden Wochen braucht der Welpe vor allem Schlaf, Verlässlichkeit und sicheren Kontakt zu seinen neuen Menschen. Junge Welpen verschlafen den größten Teil des Tages; ein übermüdeter Welpe beißt mehr und lernt weniger.

  1. Stubenreinheit. Bringen Sie den Welpen nach jedem Schlafen, Fressen und Spielen nach draußen und belohnen Sie direkt an der Stelle, an der er sich löst. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber Welpe stubenrein bekommen.
  2. Ruheplatz. Führen Sie Box oder Laufgitter als bequemen Schlafplatz ein, anfangs mit offener Tür. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie unter Boxentraining.
  3. Name. Sagen Sie den Namen einmal; sobald der Welpe Sie ansieht, markieren und belohnen Sie. Zehn Wiederholungen, zwei- bis dreimal täglich.
  4. Anfassen. Pfoten, Ohren und Maul kurz berühren, dann ein Leckerchen geben. Wenige Sekunden reichen.

10 bis 12 Wochen: Sozialisierung und erste Signale

Dies ist die dichteste Phase, denn das Sozialisierungsfenster ist noch offen. Ziel sind ruhige, positive Begegnungen mit Menschen, freundlichen Hunden, Untergründen, Geräuschen und Verkehr – wenige, gut ausgewählte pro Tag, bei denen der Welpe jederzeit Abstand halten darf. Wie sich das mit dem Impfstatus vereinbaren lässt, beschreibt der Artikel zur Sozialisierung von Welpen.

Daneben beginnen die ersten Signale:

  1. Sitz und Platz mit Futter in der Hand gelockt; das Futter wird nach wenigen Einheiten abgebaut, sodass das Handzeichen übrig bleibt.
  2. Handtouch: Der Welpe berührt mit der Nase Ihre offene Handfläche. Das hilft später beim Rückruf und beim Lenken ohne Ziehen.
  3. Rückrufspiele: Zwei Personen rufen den Welpen im Zimmer abwechselnd zu sich und belohnen jedes Ankommen.
  4. Beißhemmung: Landen Zähne auf der Haut, unterbrechen Sie das Spiel für einige Sekunden und bieten stattdessen ein Kauspielzeug an.

12 bis 16 Wochen: Grundsignale und Leinenführigkeit

Der Welpe kann sich nun etwas länger konzentrieren, und die Grundimmunisierung erlaubt in der Regel mehr Ausflüge. Neu in dieser Stufe:

  • Grundsignale in mehreren Räumen und im Garten. Ein Sitz, das in der Küche klappt, ist noch kein Sitz auf dem Gehweg. Die einzelnen Übungen erklärt der Ratgeber Grundkommandos für Hunde.
  • Leinenführigkeit. Beginnen Sie im Haus ohne Ablenkung und belohnen Sie alle paar Schritte, solange die Leine durchhängt. Draußen bleiben Sie stehen, wenn die Leine sich spannt, und gehen weiter, sobald sie sich lockert. Mehr dazu unter Leinenführigkeit.
  • Tauschen statt Wegnehmen. Geben Sie für einen Gegenstand ein Leckerchen, anstatt ihn aus dem Maul zu ziehen. So lernt der Welpe, dass Hergeben sich lohnt.
  • Kurzes Bleib. Starten Sie mit zwei bis drei Sekunden und einem Schritt Abstand.

4 bis 5 Monate: Gelerntes nach draußen tragen

Der Zahnwechsel ist in vollem Gang, viele Welpen kauen mehr und wirken unaufmerksamer. Stellen Sie geeignete Kauartikel bereit und halten Sie die Anforderungen überschaubar. Die Hauptaufgabe ist jetzt das Generalisieren: Üben Sie jedes bekannte Signal an mindestens fünf verschiedenen Orten, bevor Sie es unter Ablenkung erwarten.

Der Rückruf zieht an einer etwa fünf Meter langen Schleppleine nach draußen, zunächst auf einer ruhigen Wiese. Rufen Sie einmal, belohnen Sie großzügig und lassen Sie den Welpen anschließend wieder erkunden, damit Herankommen nicht das Ende des Vergnügens bedeutet. Den Aufbau beschreibt der Ratgeber zum Rückruftraining.

5 bis 6 Monate: Zuverlässigkeit und beginnende Pubertät

Um dieses Alter setzt die Pubertät ein, bei kleinen Rassen früher, bei großen später. Die Hunde werden selbstständiger, und gut geübte Signale scheinen zeitweise verschwunden. Das ist eine normale Entwicklungsphase und keine Sturheit.

  • Bauen Sie das Bleib auf 30 bis 60 Sekunden und mehrere Schritte Abstand aus.
  • Üben Sie das Passieren von Menschen und Hunden in einer Entfernung, in der der Welpe noch Futter annimmt.
  • Belohnen Sie ruhiges Liegen auf einer Decke, während Sie einige Minuten auf einer Bank oder im Café sitzen.
  • Lassen Sie die Schleppleine dran, bis der Rückruf an mehreren Orten zuverlässig funktioniert.

Ein Beispieltag mit etwa 10 Wochen

  • Morgens: zum Lösen nach draußen, Frühstück teilweise aus der Hand als Namensübung, kurzes Spiel, Schlaf.
  • Vormittags: ein Sozialisierungsausflug von 10 bis 15 Minuten, danach Schlaf.
  • Nachmittags: zwei Minuten Sitz und Handtouch, Anfassübung, Kauzeit im Laufgitter.
  • Abends: Rückrufspiel im Flur, Ruhezeit, letzter Gang nach draußen vor dem Schlafen.

Dazwischen: Lösen nach jedem Nickerchen und sehr viel Schlaf.

Häufige Fehler

  • Zu lange Einheiten. Schnüffelt der Welpe herum, kratzt sich oder beginnt zu beißen, war die Einheit zu lang.
  • Draußen zu früh zu viel verlangen. Wer Signale an belebten Orten abfragt, bevor sie zu Hause sitzen, erzeugt Misserfolge und Frust auf beiden Seiten.
  • Das Signal wiederholen. „Sitz, Sitz, Sitz“ lehrt, dass das erste Wort nicht zählt. Sagen Sie es einmal; passiert nichts, machen Sie die Aufgabe leichter.
  • Sozialisierung zugunsten von Gehorsam verschieben. Sitz kann warten, das Sozialisierungsfenster nicht.
  • Malheure oder Beißen bestrafen. Schimpfen und körperliche Korrekturen zeigen dem Welpen nicht, was er stattdessen tun soll, und können ihn Menschen gegenüber misstrauisch machen.
  • Kalender vergleichen. Rasse, Temperament und Vorgeschichte verschieben den Zeitplan um Wochen.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Eine gut geführte Welpengruppe, die mit Belohnung arbeitet und kleine Gruppen bildet, beantwortet die meisten Alltagsfragen. Einzelberatung durch eine qualifizierte Hundetrainerin oder Verhaltensberatung ist sinnvoll, wenn der Welpe trotz behutsamer Gewöhnung sehr ängstlich auf Menschen oder Hunde reagiert, an Futter oder Spielzeug knurrt oder schnappt oder überhaupt nicht zur Ruhe findet. Plötzliche Verhaltensänderungen, anhaltende Probleme mit der Stubenreinheit oder Anzeichen von Schmerzen gehören zuerst in die Tierarztpraxis.

Häufige Fragen

Ab wann beginnt man mit der Welpenerziehung?

Mit dem Einzug, also meist mit etwa acht Wochen. In diesem Alter geht es noch nicht um Gehorsam, sondern um Abläufe: wo das Geschäft erledigt wird, wo geschlafen wird, dass Hände und Menschen Gutes ankündigen und dass es sich lohnt, auf den eigenen Namen zu reagieren. Kurze Übungen von ein bis drei Minuten mit Futterbelohnung sind von Anfang an möglich.

Wie lange sollte eine Übungseinheit mit dem Welpen dauern?

Zwischen der 8. und 12. Woche genügen ein bis drei Minuten pro Einheit, dafür fünfmal oder öfter über den Tag verteilt. Ab etwa vier Monaten schaffen viele Welpen fünf Minuten. Hören Sie auf, solange der Welpe noch gern mitmacht. Mehrere kurze Einheiten bringen mehr als eine lange, weil junge Hunde schnell ermüden und dann Fehler machen.

Was sollte ein Welpe als Erstes lernen?

Zuerst kommen die Dinge, die den Alltag prägen: sich draußen zu lösen, in Box oder Laufgitter zur Ruhe zu kommen, auf den Namen zu reagieren und sich anfassen zu lassen. Gleichzeitig hat eine behutsame Sozialisierung Vorrang, weil die sensible Phase mit etwa 12 bis 14 Wochen endet. Sitz, Platz und erste Rückrufspiele lassen sich von der ersten Woche an nebenbei einbauen.

Ist es zu spät, wenn mein Welpe schon fünf Monate alt ist?

Nein. Hunde lernen in jedem Alter, und belohnungsbasiertes Training funktioniert auch bei Junghunden und erwachsenen Tieren. Beginnen Sie einfach mit der ersten Stufe des Plans und gehen Sie weiter, sobald eine Übung sicher sitzt. Nicht vollständig nachholen lässt sich nur das frühe Sozialisierungsfenster; Neues sollte deshalb langsamer und mit mehr Abstand eingeführt werden.

Warum hört mein Welpe plötzlich nicht mehr auf bekannte Signale?

Zwischen vier und sechs Monaten werden viele Welpen selbstständiger, stecken im Zahnwechsel und finden die Umwelt deutlich spannender als zuvor. Oft wurden Signale, die im Wohnzimmer klappen, außerdem noch nicht an genügend verschiedenen Orten geübt. Gehen Sie einen Schritt zurück, verringern Sie die Ablenkung, belohnen Sie großzügig und bauen Sie die Übung neu auf. Mit konsequentem Üben geht diese Phase vorüber.